Kinder optimal fördern - mit Musik
Aktion"Felix" des Deutschen Chorverbandes

Eine sechsjährige Langzeitstudie mit Kindern (in Berlin, Leitung Prof. Hans Günther Bastian) hat wissenschaftlich eindeutig belegt, dass musizierende Kinder und Jugendliche ihr Sozialverhalten verbessern, ihre Intelligenz erhöhen, gute schulische Leistungen erbringen und Konzentrationsschwächen kompensieren. Das sollte denen zu denken geben, welche die Mittel für musikalische Erziehung kürzen wollen.

Musikerziehung beeinflusst die Entwicklung von Kindern positiv - allerdings nicht im Sinne einer Garantie "Wer sich musikalisch betätigt, für den wird der Traum vorn Glück wahr". Die Tatsache, dass Musik außermusikalisch persönlichkeitsbildend wirkt, muss als Legitimation der Förderung musikalischer Erziehung genügen.

Musik und Kunst sind ideale Werkzeuge, um Türen zu öffnen und Verständigung zwischen Menschen zu erzeugen. Heutzutage herrscht eine deutlich spürbare Tendenz zur Isolierung, die das gesellschaftliche Miteinander erheblich erschwert. Genau jetzt kann eine positive Musikerfahrung ein Schlüsselerlebnis sein, wenn es darum geht, Kinder für ein gutes soziales Klima zu sensibilisieren. Gemeinsames Musizieren fördert die soziale Integrationsbereitschaft.
Dem Fach Musik in Kindergärten und Schulen muss in zunehmendem Maße Bedeutung zugemessen werden, da Musik für den Aufbau der eigenen Identität mit einem hohen Maß an Emotionalität eine wichtige Rolle spielt. Die Musikerziehung in Gemeinschaften bietet gute Möglichkeiten der Integration und der individuellen Förderung der Kinder.

Mit großer Besorgnis stellen viele Eltern und Musikorganisationen wie der Deutsche Chorverband fest, dass Musik in den Kindergärten und in den allgemein bildenden Schulen ins Abseits gerät und sich ein musikalischer Bildungsnotstand entwickelt. Zum Beispiel in den Grund- und Hauptschulen Deutschlands fallen bis zu 80% der Musikstunden aus oder sie werden fachfremd erteilt. Musikunterricht gewährleistet eine optimale Entfaltung der kindlichen Anlagen und hat einen positiven Einfluss auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung. Darüberhinaus bietet Musikerziehung eine gute Chance zur Verringerung von Aggression und Gewalt unter Kindern.

Initiative ist deshalb gefragt: Felix in den Kindergärten" ist seit dem Jahr 2000 das Motto einer breit angelegten Aktion des Deutschen Chorverbandes. die jetzt erste Erfolge zeigt.

Der Deutsche Chorverband, vertreten durch den regionalen Sängerkreis, zeichnet diejenigen Kindergärten mit der "Felix"-Urkunde bzw. Plakette aus, in denen

    •       täglich gesungen wird,
       •       in kindgerechter (nicht, wie allgemein üblich, zu tiefer) Stimmlage,
           •       geleitet und geführt durch auch musikalisch ausgebildete Erzieherinnen.

 

Zielsetzung ist:

    •       Die Kinder im Sinne vorgenannter positiver Faktoren bereits im Kindergarten begleitend zu erziehen.
       •       Entscheidungsträger aus Politik, Kultur und Verwaltung zu informieren und nachhaltig für eine Weiterentwicklung des Musikunterrichtes zu gewinnen.

    •       Die zahlreichen positiven Wirkungen der musikalischen Erziehung öffentlich zu machen und
        •       das Fach Musik in den Kindergärten und den allgemein bildenden Schulen "vorn Rand in die Mitte" zu rücken.

Eine nachhaltige Bewusstseinsänderung, insbesondere unter kultur- und bildungspolitisch Verantwortlichen wird angestrebt. Wir freuen uns, wenn alle Eltern, Kindergärten, Schulen, Musikpädagogen und kulturpolitisch Verantwortliche die Ziele dieser Aktion wirksam und auf Dauer unterstützen, denn "Musik macht intelligent, sozial kompetent, kreativ und selbstbewusst!" Der Mut zur Musik darf nicht sang-und klanglos verhallen.

 

FELIX - mehr als nur eine Auszeichnung für Kindergärten

Felix-Beauftragte des Chorverbandes ist Frau Gesine Knappe, Uelzen. Seit ihrer Ernennung im Januar 2001 wurden in den 34 Sängerkreisen des CVNB bisher 15 Felixheauftragte ernannt und gemeldet. In vier Sängerkreisen wurden bisher über 25 Felix-Auszeichnungen (davon etwa 15 im Bereich des 01denburgischen Sängerbundes) verliehen. Insgesamt liegt der CVNB hinter dem starken Landesverband Nordrhein-Westfalen an zweiter Stelle in Deutschland.

Neben diesem Erfolg benennt Verbandschorleiter Eckhard Albrecht aber auch folgende Probleme: Desolater Zustand des Singens in der BRD. Kinder verlassen die Schule, ohne dort ein Lied gelernt zu haben. Existenzkampf der Chöre-, alte "sterben weg junge (kleinere) Chöre haben andere (Leistungs-) Ziele.

Es ist erforderlich, die Sängerkreise bei der Aktion "Felix" zu unterstützen. Daraus ergibt sich: Wo im Sängerkreis noch kein Felix-Beauftragter benannt ist oder nicht benannt werden konnte, kann dieser auch außerhalb der Verbandsstruktur gesucht und für diese gute und wichtige Sache eingebunden werden.

Der Sängerkreis sollte mit dem geeigneten Personenkreis aus den Musikschulen Kontakt aufnehmen und mit ihnen zusammenarbeiten. Es sind Ideen zu entwickeln, wie den Kindergarten-Erzieherinnen auf Sängerkreisebene musikalische Fortbildungsmaßnahmen angeboten werden können.

Beispiel: Projektarbeit in mehreren Abendseminaren in Zusammenarbeit mit der Musikschule.

Unter den Kindergärten gibt es eine Art Konkurrenzkampf aus verschiedensten Gründen. Kindergärten wollen positiv arbeiten, um die Einrichtung trotz mancher Finanznöte halten zu können. Kindergärten sind gezwungen, positive Profile zu bilden und den Eltern Anreize zu vermitteln, ihre Kinder gerade in diesen Kindergarten zu schicken. Kindergärten werden zu Dienstleistungsbetrieben. Und gerade hier setzt "Felix" an.

Gesine Knappe: Wir können nur die Hoffnung äußern, mit der Aktion"Felix" die Abwärtsspirale beim Singen mit Kindern aufzuhalten, und wir sind auf dem richtigen Weg.

Es gibt eine Fachzeitschrift für Erzieherinnen "Kindergarten heute". Dort sollten wir regelmäßig Artikel platzieren. Dies könnte von der Felix-Beauftragten in Verbindung mit der Chorjugend (wo FELIX ebenfalls thematisiert ist und diskutiert wird) durchgeführt werden.

 

Kindgerechtes Singen ist eine unabdingbare Voraussetzung für "Felix", - ein Stichwortkatalog zur Anleitung

Anhaltspunkt für kindgerechtes Singen ist die Stimmlage zwischen C 1 und C 2, der Quintraum D/A. Die Lage stimmt, wenn die Kinder mitsingen (können), Schlechte Vorbilder aus dem Fernsehen vermeiden (Schreistimme). Erzieherinnen dürfen "nicht nur mit ihrer Gitarre" beschäftigt sein. Problem, die kindliche Tonlage anzustimmen (seitens der Erzieherin, die selbst vielleicht eine Altstimme hat). Hier helfen tonangebende Klangstäbe / Klangelemente, die angeschafft werden sollten (sog. Anstimm-Sets).

Nutzung von Spaß, Tanz, Spiel, rhythmischen Bewegungen, wie Klatschen, Hüpfen, Stampfen, um das kindliche musikalische Interesse zu wecken; nicht schulisch-streng, nicht als geordneter Kinderchor, sondern spielerisch. Als Beispiel werden spielbare Lieder genannt. Erfahrungsbericht: bei immer leiserer Akkordeonbegleitung singen die Kinder immer besser mit.

Es ist wichtig, das Sicherheitsgefühl der (im Singen ungeübten) Erzieherin beim Singen vor und mit den Kindern zu stärken. Stichwort: "Fühlgemeinschaft' aufbauen (Eckhard Albrecht).

Erfahrung für die Kinder aufbauen: wenn ich singe, hin ich glücklich. Auch bei Kindern gibt es "Vorreiter". Man muss sich Zeit nehmen für Aufbauarbeit. Einstieg über Schmatzen, Schnalzen, Klanggeschichten. Geschichten erzählen / vorlesen und eigenen Instrumentenklang beifügen, Erst später wirklich singen, wenn die Kinder schon eine Weile im Kindergarten sind. 

 

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geändert am

21. Februar 2010

            

    

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